DJ Tanith über die 90er, Loveparade und Rave The Planet
DJ Tanith spricht im Interview mit Anja Caspary über seine frühe Zeit im Ufo, seinen legendären Panzerauftritt und erklärt, warum Rave The Planet für ihn nicht mehr funktioniert.
DJ Tanith spricht im Interview mit Anja Caspary über seine frühe Zeit im Ufo, seinen legendären Panzerauftritt und erklärt, warum Rave The Planet für ihn nicht mehr funktioniert.
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In unserem Podcast „The Story / Loveparade“ befassen wir uns mit der kompletten Geschichte der Parade. Natürlich haben wir für den Podcast auch mit DJ Tanith gesprochen. Da erzählt er uns auch von dem Moment, als er auf der ersten Parade nicht auflegen durfte oder als er mit dem Panzer über die Loveparade gefahren ist.
1989 wird sie geboren: Die Idee der ersten Loveparade. Was da so unschuldig beginnt, wird bald ganz groß - das weiß aber damals noch niemand. Wie diese Idee zustande kommt, welche Hürden auf die Veranstalter der Loveparade zukommen, und wer die Beteiligten überhaupt sind, hört ihr in der allerersten Folge von "The Story / Loveparade".
Und genau dieses Bild von 1994 – DJ Tanith in Camouflage auf einem Panzer – ist eines der bekanntesten der Loveparade. Seinen Wagen bezeichnet er selbst als „Friedenspanzer“. Dass der Auftritt später Kultstatus erreichen würde, ahnte er damals nicht.
„Uns war vieles gar nicht bewusst. Wir haben es einfach gemacht“, erklärt Tanith im Gespräch mit Anja Caspary. Wer mit auf den Panzer wollte, musste zum Konzept passen und in Camouflage kommen.
Damit wollte sich der DJ abgrenzen: „weil mich diese ganze Blümchen-Fellstülpenscheiße abgenervt hat und das nichts mit dem Techno zu tun hatte, den ich da sehen wollte“, sagt er. Den „Friede, Freude, Eierkuchen“-Gedanken der Parade nahm er nicht vollständig ernst. Stattdessen wollte er für eine härtere Berliner Form von Techno stehen.
Mit Rave The Planet – die Parade, die nach der Loveparade kam, aber ebenfalls unter anderem von Dr. Motte ins Leben gerufen wurde – kann Tanith nicht mehr viel anfangen. Er gönne allen Besuchern ihren Spaß, aber das aktuelle Konzept entspreche nicht mehr seinen Vorstellungen.
Dass da Leute auf den Wagen oben stehen, die 150 Euro bezahlt haben und dann da stehen, als würden sie wie beim Karneval Kamelle schmeißen, das hat für mich eine Hierarchie, die ich nicht mehr will. Ich finde es auch komisch, in den Zeiten, in denen wir heute leben, mit Diesel-Trucks durch die Stadt zu fahren und die Straßen zu verpesten. Das finde ich alles nicht mehr so richtig zeitgemäß.
Die 90er waren für DJ Tanith ein wichtiges Jahrzehnt. „Es war noch nicht alles vorgegeben“, erklärt er gegenüber Anja Caspary. Wer einen Club eröffnen wollte, musste damals deutlich weniger Vorschriften beachten. Diese Form von Anarchie habe nach seiner Ansicht mehr Raum für neue Ideen geschaffen.
Trotzdem weiß er auch, dass die Zeit anstrengend für ihn war. Corona war für DJ Tanith zum Beispiel deutlich entspannter: „Weil ich da ein Haus am See gebaut habe, während alle anderen durchgedreht sind.“
Und für Fans von DJ Tanith gibt’s bei 90s90s bald was auf die Ohren. Am Samstag, 15. August, ist er bei den „DJ Summer Sessions“ im 90s90s Techno Essentials Radio zu hören. 24h laufen exklusive Sets verschiedener Techno Größen der 90er. Gastgeber wird natürlich Tom Wax sein und der Timetable folgt noch.